Klinische Studien
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Die Myelofibrose ist eine klonale myeloproliferative Erkrankung, charakterisiert durch progressive Knochenmarkfibrose und extramedulläre Hämatopoese. Sie tritt mit einer jährlichen Inzidenz von nur 0,22 bis 0,99 pro 100.000 Einwohner auf, wobei das mediane Alter bei der Erstdiagnose bei etwa 65 Jahren liegt. Aktuell sind keine Risikofaktoren bekannt, die die Entstehung einer Myelofibrose begünstigen.1 Um die Behandlung und Lebenserwartung von Patient*innen mit einer Myelofibrose nachhaltig zu verbessern, haben wir bei GSK einen der Schwerpunkte in der hämatologischen Onkologie auf die Myelofibrose gelegt.
Die Myelofibrose wird unterteilt in die primäre Myelofibrose, die als eigenständige Erkrankung auftritt, und die sekundäre Myelofibrose, die sich aus den myeloproliferativen Neoplasien Polycythaemia Vera oder essentieller Thrombozythämie entwickelt.2,3
Die primäre und die sekundäre Myelofibrose unterscheiden sich zwar in ihrem Ursprung, zeigen sich jedoch meist mit ähnlichen Symptomen und klinischen Merkmalen.3 Beide Arten manifestieren sich häufig durch Anämie, Splenomegalie und konstitutionelle Symptome.4,5 Anämie, bedingt durch ineffektive Erythropoese, führt zu Müdigkeit, Schwäche und Dyspnoe. Splenomegalie resultiert aus extramedullärer Hämatopoese und kann zu Bauchschmerzen, Völlegefühl und Appetitlosigkeit führen.5 Konstitutionelle Symptome wie Gewichtsverlust, Fieber und Nachtschweiß sind ebenfalls typisch.5
Die Pathogenese der primären und sekundären Myelofibrose ist komplex und umfasst u.a. genetische Mutationen in den hämatopoetischen Stammzellen, die zu einer dysregulierten Signaltransduktion und Zellproliferation führen.2–4 Eine wesentliche Rolle spielt hierbei der Janus-Kinase-Signal-Transducer-and-Activators-of-Transcription (JAK-STAT)-Signalweg. Dieser Signalweg ist an der Regulation von Zellwachstum, Zellproliferation, Immunfunktion und Hämatopoese beteiligt.2,6
Bei der primären Myelofibrose sind sogenannte Treibermutationen bei etwa 90 % der Betroffenen zu finden, und zwar im JAK2-Gen (ca. 60 %), im CALR-Gen (ca. 20-25 %) und im MPL-Gen (ca. 5-8 %).1 Diese Mutationen führen zu einer konstitutiven Aktivierung des JAK-STAT-Signalwegs, was zu einer unkontrollierten Zellproliferation, zur vermehrten Produktion von Zytokinen und zur Entwicklung der Myelofibrose beiträgt.2,4,7 Therapeutisch ist die Inhibition des JAK-STAT-Signalwegs von besonderer Bedeutung, denn JAK-Inhibitoren haben sich als wirksam erwiesen, um typische Symptome der Erkrankung zu lindern.8–12
Die Pathogenese der primären Myelofibrose umfasst ein Kontinuum vom präfibrotischen Stadium bis zur overtfibrotischen, klinisch manifesten Myelofibrose:1,4
Eine sorgfältige klinische Evaluation und interventionelle Maßnahmen sind entscheidend für das Management und die Prognose der Patient*innen. Hierfür stehen den behandelnden Ärzt*innen verschiedene diagnostische Mittel zur Verfügung. Insbesondere bei der Anamnese und körperlichen Untersuchung sollte auf typische Symptome und Anzeichen der Myelofibrose geachtet werden. Auch Blutwerte sind im Rahmen einer Myelofibrose-Diagnose aufschlussreich und geben wichtige Hinweise, unter anderem über die Leberfunktion (AST, ALT, γ-GT), die Blutgerinnung (Quick/INR, aPTT) und den Eisenstatus (Ferritin). Des Weiteren ist eine histologische Untersuchung des Knochenmarks obligatorisch, um Veränderungen im Knochenmark zu beurteilen. Molekulargenetische und zytogenetische Untersuchungen dienen der Risikoeinschätzung.1
Laut der aktuell gültigen Onkopedia-Leitlinie sollten bei der Therapieentscheidung nach einer Risikoeinschätzung (bei der primären Myelofibrose mithilfe von MIPSSv2 und bei der sekundären Myelofibrose mithilfe von MYSEC) auch das Vorliegen von Splenomegalie und Symptomen, das Alter, Komorbiditäten sowie die Schwere einer Anämie und die Thrombozytentahl berücksichtigt werden. Die Leitlinie empfiehlt bei der Diagnose und auch regelmäßig im Behandlungsverlauf die Symptomlast anhand eines validierten Symptomscores wie dem MPN Symptom Assessment Form Total Symptom Score (MPN-SAF TSS) zu evaluieren und die Veränderung der Symptomlast und das Ansprechen auf eine Therapie zu beurteilen.1
Die Therapie der primären und sekundären Myelofibrose unterscheidet sich prinzipiell nicht, da die Therapieentscheidung hauptsächlich vom Risikoscore bestimmt wird. Eine allogene Stammzelltransplantation ist die einzige Behandlung, die eine Myelofibrose potenziell heilen kann. Zu den nicht-kurativen Therapien zählt die Watch & Wait Strategie, die für Patient*innen mit sehr niedrigem oder niedrigem Risiko geeignet ist. Januskinase-Inhibitoren (JAKi) zählen zu den Therapien, die auf die Symptombekämpfung abzielen. Aktuell sind drei JAKi zugelassen und verfügbar.1
Januskinasen (JAK) sind intrazelluläre Tyrosinkinasen, welche die Transkription von Genen regulieren.2 JAK-Inhibitoren wiederum greifen in den JAK-Signalweg ein und entfalten so ihre Wirkung.2 Sie werden sowohl für die Behandlung der primären als auch der sekundären Myelofibrose eingesetzt, und zwar abhängig vom Vorhandensein einer Splenomegalie, Anämie und der Symptomlast.1
Referenzen
NP-DE-MML-WCNT-240005, Apr26