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Ovarialkarzinom

Ovarialkarzinom: Informationen und aktuelle Therapien

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Eierstockkrebs ist die achthäufigste Tumorart bei Frauen weltweit und entsteht meist aus Epithelzellen.1,2 In Deutschland entfallen etwa 4,8 % aller Krebsneuerkrankungen auf das Ovarialkarzinom.3 Wir bei GSK forschen und entwickeln im Bereich der gynäkologischen Onkologie und haben dabei einen besonderen Fokus auf das Ovarialkarzinom gelegt. Erhalten Sie hier einen umfassenden Überblick über Epidemiologie, Pathogenese, Diagnose und Behandlung des Ovarialkarzinoms.

 

Epidemiologie, Risikofaktoren und Prognose des Ovarialkarzinoms

2022 wurden in Deutschland 6.709 Neuerkrankungen des Ovarialkarzinoms diagnostiziert.4 Mit 5.096 Todesfällen hat das Ovarialkarzinom eine besonders hohe Mortalität und die höchste Fallsterblichkeit unter den gynäkologischen Krebserkrankungen der Frau in Deutschland.4,5 Die Prognose ist zudem ungünstig. So lag die relative 5-Jahres-Überlebensrate bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom in den Jahren 2019 ‒ 2020 bei nur 44 % und die 10-Jahres-Überlebensrate bei 34 %.4

Die zugrunde liegende Ätiologie des Ovarialkarzinoms ist bisher noch nicht abschließend geklärt.6 Jedoch können Risikofaktoren wie ein erhöhtes Alter, Kinderlosigkeit sowie Mutationen der BRCA1/BRCA2-Gene die Entstehung von Ovarialtumoren begünstigen.4

 

Pathogenese des Ovarialkarzinoms

Das Ovar ist ein paarig angelegtes intraperitoneales Organ, das sich im kleinen Becken befindet.7 Dort kann sich das Ovarialkarzinom entwickeln, welches eine Gruppe von verschiedenen malignen Neoplasien umfasst, die sich in ihren histologischen und molekularen Merkmalen unterscheiden.2 Es kann alle Schichten des Ovars betreffen und wird anhand seines Ursprungsgewebes in verschiedene Subtypen unterteilt:

  • Epitheliale Tumore

    Etwa 90 % der Ovarialkarzinome gehen auf epitheliale Tumore zurück. Dieser Subtyp lässt sich in weitere Untertypen unterteilen:2,6

    Haupttypen epitheliales OC

    High-grade serös

    Der high-grade seröse Subtyp des Ovarialkarzinoms wird aufgrund seiner unspezifischen Symptome meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert.2 Dieser Subtyp hat seinen Ursprung in den Tuben.8

    Endometrioid

    Endometrioide Ovarialkarzinome sind mit dem Erkrankungsbild Endometriose assoziiert und gehen überwiegend vom Ovar aus.2,8

    Klarzellig

    Das klarzellige Ovarialkarzinom entsteht häufig im Ovar und kann sich mit parenchymatischen Metastasen (in der Lunge und der Leber) sowie Endometriose manifestieren.2,8 Außerdem kann es mit Hyperkoagulabilität und Hyperkalzämie sowie Endometriose verbunden sein.2

    Low-grade serös

    Das low-grade seröse Ovarialkarzinom kommt häufig bei jüngeren Patientinnen in einem medianen Alter von 43 - 55 Jahren vor.2 Diese Untergruppe der epithelialen Tumore hat ihren Ursprung in muzinösen oder serösen Borderlinetumoren.8 Die Symptome des low-grade serösen Ovarialkarzinoms können sich bereits in frühen, aber auch erst in späteren Stadien entwickeln.2 Klinisch relevant ist, dass low-grade seröse und high-grade seröse Ovarialkarzinome eine unterschiedliche Pathogenese aufweisen und somit eigenständige Unterformen sind. Das low-grade seröse Ovarialkarzinom stellt somit keine Vorstufe des high-grade serösen Ovarialkarzinoms dar.8

    Muzinös

    Muzinöse Ovarialkarzinome betreffen vorwiegend jüngere Patientinnen und verursachen dabei häufig bereits in frühen Stadien Symptome.2 Diese Untergruppe entwickelt sich wahrscheinlich über eine schrittweise Transformation muzinöser Borderlinetumoren.8

  • Keimzelltumore

    Keimzelltumore entwickeln sich aus den weiblichen Keimzellen.6 Der überwiegende Teil der Keimzelltumore ist gutartig und nur etwa 2 % - 3 % der malignen Ovarialkarzinome entwickeln sich aus diesem Zelltyp.6 Keimzelltumore können bei jungen Frauen bis 20 Jahre auftreten.8 Zur umfassenden Diagnostik wird ein breites Panel an immunhistochemischen Markern (Pankeratin, AFP, PLAP, CD117, CD30, Glypican 3, OCT3/4, SALL4, SOX2, βHGG, EMA) verwendet.8

  • Keimstrang-Stroma-Tumore

    5 % - 6 % aller Ovarialtumore entspringen dem Keimstrang-Stroma.6 Keimstrang-Stroma-Tumore umfassen Stromatumore, Keimstrangtumore sowie gemischte Keimstrang-Stroma-Tumore.8

  • WHO-Klassifizierung

    Die WHO-Klassifizierung teilt das Ovarialkarzinom anhand der Histologie in die zuvor beschriebenen Gruppen: high-grade serös, low-grade serös, muzinös, endometrioid und klarzellig. Dazu kommen der undifferenzierte Ovarialtumor und der Brennertumor, der seinen Ursprung im Epithel von Transitionalzellen hat. Eine weitere Gruppe umfasst das Karzinosarkom, das einen biphasischen Mischtumor beschreibt, der aus epithelialen und mesenchymalen Anteilen besteht. Der seromuzinöse Subtyp wird auch in der WHO-Klassifizierung aufgeführt, der Begriff jedoch in Deutschland nicht mehr verwendet.8

Symptome und Diagnostik

Symptome und Diagnostik des Ovarialkarzinoms

Das Ovarialkarzinom verläuft in den frühen Stadien oft symptomlos und wird daher häufig erst in den fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. Im späteren Verlauf der Erkrankung manifestieren sich unspezifische Symptome wie Völlegefühl, Blähungen, Zunahme des Bauchumfangs, Zunahme der Miktionsfrequenz und Schmerzen.8,9 

Neben der transvaginalen Sonografie können die Computertomographie, die Magnetresonanztomographie und die Positronenemissionstomographie zur Diagnose genutzt werden.9 Das genaue Staging kann jedoch nur durch eine Operation erfolgen, welche somit für alle Patientinnen die Grundlage für eine individuell angepasste Therapie zur Behandlung des Ovarialkarzinoms bildet.8

  • Stadieneinteilung des Ovarialkarzinoms

    Um das Ausmaß und die Streuung eines Ovarialkarzinoms zu beurteilen, wird die TNM (Tumour, Nodes and Metastases) Klassifikation verwendet.10 T bezieht sich auf die Klassifizierung des primären Tumors und beschreibt von T1 (Tumor auf ein oder beide Ovarien beschränkt) bis T3 (Expansion überschreitet das kleine Becken) die Ausbreitung des Tumors.9,11 N beschreibt den Befall der Lymphknoten, wobei zwischen N0 (kein Befall der regionären Lymphknoten) und N1 (Befall der regionären Lymphknoten) unterschieden wird.9,11 M klassifiziert Fernmetastasen, wobei M0 das Fehlen und M1 das Vorhandensein von Fernmetastasen beschreibt.9,11

    Optional kann zusätzlich ein FIGO-Staging (Fédération Internationale de Gynécologie et d’Obstétrique) vorgenommen werden.8,11 Stadium I entspricht T1-N0 in der TNM-Klassifikation und beschreibt Tumore, die auf die Ovarien oder Eileiter begrenzt sind. Tumore im Stadium II entsprechen T2-N0 und betreffen ein oder beide Ovarien/Eileiter und gehen mit einer Ausbreitung im Becken unterhalb des Beckeneingangs einher. Im Stadium III, T1-3/N0-1/M0 in der TNM-Klassifikation, betrifft der Tumor ein oder beide Ovarien/Eileiter oder es liegt ein Peritonealkarzinom mit zytologisch oder histologisch bestätigter Ausbreitung des Tumors außerhalb des Beckens im Peritoneum und/oder Metastasen in den retroperitonealen Lymphknoten vor. Im Stadium IV, das alle T, N und M1 umfasst, sind Fernmetastasen, aber keine Peritonealmetastasen, nachweisbar. Die jeweiligen Stadien des Ovarialkarzinoms werden in weitere Stadien eingeteilt, was eine detaillierte Beschreibung der Neoplasie ermöglicht.8,11

    Die klinischen Symptome des Ovarialkarzinoms sind in frühen Stadien oft unspezifisch, was die frühzeitige Diagnosestellung erschwert und häufig zu einer Diagnose im fortgeschrittenen Stadium führt, was wiederum die Prognose für betroffene Patientinnen verschlechtert.4

  • Grading des Ovarialkarzinoms

    Das Tumorgrading - die Quantifizierung der Tumorzelldifferenzierung - ist eng mit spezifischen genetischen Veränderungen verknüpft und spielt neben Faktoren wie dem Alter, dem Allgemeinzustand und dem histologischen Subtyp eine entscheidende Rolle bei der Prognose des Ovarialkarzinoms.8,9

    Grading der Subtypen des Ovarialkarzinoms9

    Histologie Grading Typische molekulare Aberrationen
    Serös G1 (low-grade) & G3 (high-grade) TP53, BRCA1/2, andere HRD-Gene (high-grade Tumore)
    BRAF/ KRAS; selten BRCA1/2 (low-grade Tumore)
    Muzinös low-grade KRAS, HER2
    Seromuzinöser Subtyp des endometrioiden Karzinoms low-grade ARID1A
    Endometrioid G1, G2, G3 ARID1A, PTEN, MSIhigh
    Klarzellig Immer G3 ARID1A, HNF1β
    Karzinosarkom high-grade TP53
    Undifferenziert high-grade  
    Maligner Brenner-Tumor kein Grading Gegebenenfalls TP53

Therapie

Therapie des Ovarialkarzinoms

Die Behandlung des Ovarialkarzinoms basiert in der Regel auf drei Säulen: primäre Debulking-Operation oder neoadjuvante Chemotherapie (NACT), platinhaltige Chemotherapie (CT) und Erhaltungstherapie.8

  • Primäre Debulking-Operation

    Die primäre operative Therapie zielt auf makroskopische Tumorfreiheit ab und wird je nach Stadium durch adjuvante Chemotherapie ergänzt.8

    Laut der S3-Leitlinie zum Ovarialkarzinom sollte das chirurgische Staging folgende Schritte umfassen:8

    • Längsschnittlaparotomie,
    • Inspektion und Palpation der gesamten Abdominalhöhle, 
    • Peritonealzytologie,
    • Biopsien aus allen auffälligen Stellen,
    • Peritonealbiopsien aus unauffälligen Regionen,
    • Adnexexstirpation beidseitig,
    • Hysterektomie, gegebenenfalls extraperitoneales Vorgehen,
    • Omentektomie mindestens infrakolisch,
    • Appendektomie (bei muzinösem/unklarem Tumortyp),
    • beidseitige pelvine und paraaortale Lymphonodektomie.
  • Platinhaltige Chemotherapie (CT)

    Patientinnen im FIGO-Stadium IA G1 benötigen im Anschluss an das vollständige Staging keine CT. Bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom im Stadium IA G2 oder IB G1/2 kann eine platinhaltige CT in Betracht gezogen werden, während für Stadien IC, IA/B und G3 sechs Zyklen einer platinhaltigen CT empfohlen werden. Die CT zur Behandlung des Ovarialkarzinoms besteht aus einer Kombination von Carboplatin und Paclitaxel.8

  • 1L-Erhaltungstherapien

    Bis zu 85 % der Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom, die eine CT ohne weitere Erhaltungstherapie erhalten, erleben ein Rezidiv.11–13 Dabei stehen unterschiedliche Erhaltungstherapien zur Verfügung - insbesondere PARPi haben die Behandlungsmöglichkeiten und die Prognose von Patientinnen mit einem fortgeschrittenen oder rezidivierenden Ovarialkarzinom verbessert.14 PARPi kommen als Erhaltungstherapie in der Erstlinie (1L) für Patientinnen mit fortgeschrittenem (FIGO-Stadien III und IV) high-grade epithelialem Ovarialkarzinom in Frage, wenn sie nach einer Platin-basierten 1L-CT ein Ansprechen (vollständig oder partiell) zeigen. Die Anwendung ist dabei vom Mutationsstatus (BRCA, HRD) und der Vorbehandlung abhängig.8

  • Therapieleitlinie Ovarialkarzinom

    Die S3-Leitlinie zum Ovarialkarzinom wurde von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) erstellt. Die Leitlinie bietet als wertvolle Ressource detaillierte, evidenzbasierte Informationen zur Diagnose und Therapie von Patientinnen mit einem Ovarialkarzinom.

Ressourcen und Services

Referenzen

  1. Worldwide cancer data. World Cancer Research Fund. Aufgerufen am 5. Dezember 2025. https://www.wcrf.org/preventing-cancer/cancer-statistics/worldwide-cancer-data/
  2. Matulonis UA, Sood AK, Fallowfield L, Howitt BE, Sehouli J, Karlan BY. Ovarian cancer. Nat Rev Dis Primers. 2016;2:16061. doi:10.1038/nrdp.2016.61
  3. Armbrust R, Ledwon P, Von Rüsten A, Schneider C, Sehouli J. Primary treatment results in patients with ovarian, Fallopian or peritoneal cancer-results of a Clinical Cancer Registry database analysis in Germany. Cancers (Basel). 2022;14(19):4638. doi:10.3390/cancers14194638
  4. Krebs - Eierstockkrebs. Aufgerufen am 5. Dezember 2025. https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Eierstockkrebs/eierstockkrebs_node.html
  5. Jakob D, Schmoor C, Reuten R, et al. Characteristics, treatment patterns and survival of international federation of gynecology and obstetrics stage IV epithelial ovarian cancer-A population-based study. Cancers (Basel). 2023;15(23):5676. doi:10.3390/cancers15235676
  6. Reid BM, Permuth JB, Sellers TA. Epidemiology of ovarian cancer: a review. Cancer Biology & Medicine. 2017;14(1):9-32. doi:10.20892/j.issn.2095-3941.2016.0084
  7. Gibson E, Mahdy H. Anatomy, abdomen and pelvis, ovary. In: StatPearls. StatPearls Publishing; 2025. Aufgerufen am 5. Dezember 2025. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK545187/
  8. S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren; Januar 2026. Aufgerufen am 05.03.2026. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Ovarialkarzinom/Version_6/LL_Ovarialkarzinom_Langversion_6.1.pdf
  9. Ovarialkarzinom. Onkopedia. Juli 2023. Aufgerufen am 1. Dezember 2025 https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/ovarialkarzinom
  10. UICC and the TNM Classification of Malignant Tumours. UICC. Aufgerufen am 5. Dezember 2025. https://www.uicc.org/who-we-are/about-uicc/uicc-and-tnm
  11. Berek JS, Renz M, Kehoe S, Kumar L, Friedlander M. Cancer of the ovary, fallopian tube, and peritoneum: 2021 update. Int J Gynaecol Obstet. 2021;155 Suppl 1(S1):61-85. doi:10.1002/ijgo.13878
  12. González-Martín A, Pothuri B, Vergote I, et al. Niraparib in patients with newly diagnosed advanced ovarian cancer. N Engl J Med. 2019;381(25):2391-2402. doi:10.1056/NEJMoa1910962
  13. du Bois A, Reuss A, Pujade-Lauraine E, Harter P, Ray-Coquard I, Pfisterer J. Role of surgical outcome as prognostic factor in advanced epithelial ovarian cancer: a combined exploratory analysis of 3 prospectively randomized phase 3 multicenter trials: by the Arbeitsgemeinschaft Gynaekologische Onkologie Studiengruppe Ovarialkarzinom (AGO-OVAR) and the Groupe d’Investigateurs Nationaux Pour les Etudes des Cancers de l'Ovaire (GINECO). Cancer. 2009;115(6):1234-1244. doi:10.1002/cncr.24149
  14. Banerjee S, Gonzalez-Martin A, Harter P, et al. First-line PARP inhibitors in ovarian cancer: summary of an ESMO Open - Cancer Horizons round-table discussion. ESMO Open. 2020;5(6):e001110. doi:10.1136/esmoopen-2020-001110

NP-DE-NRP-WCNT-240003, Jun26